1906. Gustav Coppel wird Solinger Ehrenbürger

Dem Unternehmer Gustav Coppel verdankte die Stadt Solingen unzählige Stiftungen und Schenkungen. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Sozialfonds zugunsten Bedürftiger, aber auch die Eröffnung des Stadtbades an der Birkerstraße wäre 1903 ohne eine großzügige Schenkung der Familie Coppel nicht möglich gewesen. Gefördert wurden neben Kunst und Kultur auch zahlreiche Vereine. Dieses vorbildliche und auch  beispiellose gesellschaftliche und soziale Engagement würdigten die Stadtväter 1906 mit der Ehren-bürgerschaft der Stadt Solingen. Zuvor hatte man Gustav Coppel bereits den Titel "Geheimer  Kommerzienrath" verliehen.

 

Diesen Ehrungen folgte am 2. Oktober 1906 eine Schenkung  in Höhe von 80.000 Mark - verbunden mit dem Wunsch, mit dem Geld eine Walderholungsstätte für kränkelnde Kinder einzurichten.

Ehrenbürgerbrief, Blatt 1 und 2. Bildquelle: Stadtarchiv Solingen

 

 

Die Summe wurde zum Jahresende durch Coppel-Angehörige aus Köln und Berlin auf 90.000 Mark erhöht.

 

Doch das bis dato noch nie mit einer so hohen Stiftungssumme beschenkte Stadtparlament  brauchte unsägliche vier Jahre, bis es sich mit dem Spender auf den passenden Ort und die optimale Nutzung einigen konnte. Das Kapital war inzwischen durch Zinsen auf über 100.000 Mark angewachsen !

 

 

 

 

Im Dezember 1910 gab Gustav Coppel sein Einverständnis für den Bau einer stadtnahen Erholungsstätte, der eine Fürsorgestelle, eine Mütterberatungs-stelle und ein Säuglingsheim angeschlossen werden sollten. Einstimmig entschieden sich die Stadtverordneten mit Zustimmung des Stifters für das "Böltersche Grundstück" zwischen Wupperstraße und Hippergrund. Das vorhandene bergische Schieferhaus sollte in die Nutzung einbezogen werden. Die Grunderwerbskosten lagen bei rund 58.000 Mark; Um- und Neubauten überstiegen mit 73.000 Mark die Stiftungssumme um 30.000 Mark. Geheimrat Coppel investierte weitere 5.000 Mark und der von ihm geförderte Verkehrsverein unterstützte die Stiftung mit 10.000 Mark; die Restsumme wurde von der Kommune getragen. Zu den jährlich anfallenden Personalkosten von 10.000 Mark steuerte Gustav Coppel jährlich 3.000 Mark bei. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie sehr dem Gönner der Stadt sein Projekt am Herzen lag. Ihren Dank für die großartige Schenkung würdigten die Stadtväter mit einer besonderen Geste:

 

14. Mai 1912. Einweihung des "Coppelstifts"

Oberregierungsrat von Walter und der Oberpräsident Freiherr von Rheinbaben gehörten zu den Ehrengästen der Feierlichkeiten am

14. Mai 1912. Gustav Coppel übergab die neue Erholungs- und Beratungsstätte an den Solinger Oberbürgermeister August Dicke mit Dankesworten für alle Beteiligten. Er schloß seine Rede mit  dem Herzenswunsch:

 

"Möge die Liebe der Stadt der Stiftung erhalten bleiben zum Wohle aller,

die sie aufsuchen. Das walte Gott!"

  

Das Stadtoberhaupt verkündete daraufhin, daß die Einrichtung dem Stifter zu Ehren den Namen "Coppelstift" erhalten solle. Für die Stadt werde sie

 

" ... allzeit sein eine bleibende und dauernde Erinnerung an die ehrenvolle Wirksamkeit ihres Ehrenbürgers und seiner Familie."

Die fünf Kinder des Geheimrats waren der Stiftung beigetreten und spendeten insgesamt weitere 19.000 Mark. Aus der  Kombination dreier sozialer Einrichtungen unter einem Dach gingen im Laufe der Jahre das Solinger Jugendamt sowie das Städtische Gesundheitsamt hervor. Der Begründer dieser kommunalen sozialen Vorsorgestellen erlebte die Entwicklung nicht mehr:

 

Gustav Coppel starb am 25.12.1914 im Alter von 84 Jahren.

 

Die Pavillons des Coppelstifts an der Wupperstraße. Bildquelle: Stadtarchiv Solingen
Fanny Coppel, Fotonachweis: Sammlung Carl A. Reiche

 

Nach dem Tod des Vaters führten die drei Söhne Carl-Gustav, Hermann und Dr. Alexander Coppel die Firmen in Solingen und Hilden. Die Kriegsjahre 1914 bis 1918 brachten den Coppelwerken beträchtliche Gewinne; die Firmenleitung unterstützte jedoch weiterhin Bedürftige, Kriegsopfer und Hinterbliebene in beiden Städten mit über 50.000 Mark.

 

Fanny Coppel überlebte ihren Gatten um fast acht Jahre. Sie starb 1922 im Alter von 86 Jahren.

 

 

 

Bis zu ihrem Tode unterstützte sie verschiedene gemeinnützige Einrichtungen und Vereine mit Schenkungen. Das Coppelstift hielt sie als besonderes Vermächtnis in Ehren. Rund 30.000 Mark spendete sie für das Säuglingsheim. Im Firmen-Jubiläumsjahr 1921 war sie maßgeblich an einer hohen Stiftung beteiligt:

1921. Die Firma "Alexander Coppel" stiftet zwei Millionen Mark!

Am 4. Juli 1921 feierte die Familie Coppel das 100jähriges Firmenbestehen. Und gemäß einer 100jährigen Tradition war damit der Anlass für eine weitere, mehr als großzügige Schenkung gegeben. Insgesamt 2 Millionen Mark stiftete die Familie der sozialen Fürsorge für Notleidende und Hinterbliebene. Arbeiter und Angestellte der Werke in Solingen und Hilden wurden mit hohen Auszahlungen bedacht ... und das Coppelstift erhielt 100.000 Mark aus der Stiftungssumme! Damit waren seit 1906 mit 245.000 Mark beträchtliche finanzielle Mittel in die Einrichtung geflossen.

Dr. Alexander Coppel. Stadtarchiv Solingen

Dr. Alexander Coppel, der jüngste Sohn von Gustav und Fanny, engagierte sich weiterhin für die Erfüllung des elterlichen Vermächtnisses. Und auch als nationalsozialistisches Gedankengut das traurigste Kapitel der Familienchronik einleitete, hielt er dem Unternehmen, seiner jüdischen Gemeinde und seiner Heimatstadt Solingen die Treue. Mit der Nürnberger Rassegesetzgebung vom 15.9.1935 begann die Deklassierung jüdischer Bürger.

 

Die Firma Alexander Coppel gehörte zu den ersten Firmen, die dem nationalsozialistischen Enteignungsprogramm zum Opfer fiel. Zuerst das Hildener Werk, dann das Solinger Unternehmen. Was weiterhin folgte ist eine demütigende und entwürdigende Diskriminierung, die mit dem Deportationsbefehl nach Theresienstadt im Juli 1942 letztendlich in die physische Vernichtung führte.

 

Dr. Alexander Coppel verstarb am 5. August 1942 im Ghetto Theresienstadt an Hunger und Entkräftung.

 

Die bewegende Geschichte des Unternehmers "Alexander Coppel" zu Zeiten nationalsozialistischer Diktatur und die Folgejahrzehnte bis hin zum heutigen Werk "ALCOSO" werden wir vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt schildern. Wichtig ist uns an dieser Stelle, an die Generationen der Coppel-Familie zu erinnern, die mit ihrem ehrenvollen Wirken in ihrer Heimatstadt Solingen ihr Glück verbanden:

 

"Wenn es mir erlaubt wäre, über die Pforten der neuen Anstalt ein Motto zu setzen, so wäre es das: Glücklich machen heißt glücklich sein!"

 

Zitat Gustav Coppel am 14. Mai 1912 anlässlich der Einweihung des "Coppelstifts".

 

 

Quellenangaben: Informationen und Abbildungen wurden, sofern nicht anders vermerkt, dem Buch: "Wilhelm Bramann, Coppel - Geschichte einer jüdischen Familie in Solingen 1770 - 1942" entnommen, Selbstverlag Stadtarchiv Solingen, 1994

 

Im Jubiläumsjahr 2012 erschien die aktualisierte zweite Auflage, die im Stadtarchiv erhältlich ist.